Episoden

Der Gemeinschaft ein gutes Ende geben – Aussegnung

005 – Aussegnung – Der Gemeinschaft ein gutes Ende geben…

Kernpunkte

  • Der Klinikseelsorger wird von der Trauerfamilie zu einer Aussegnung gebeten.
  • Aussegnung, gleichsam die Verabschiedung aus der Gemeinschaft, ist immer mehr in Vergessenheit geraten.
  • Beschreibung einer Aussegnung
  • Die Aussegnung unterstützt die Trauernden, dem Verstorbenen einen Platz in ihrer Seele zu geben.
  • Dann ist Raum für Neues, der gleichsam positiv das Bisherige würdigt.

Auf dem letzten Meter des Lebens

003 – Auf dem letzten Meter des Lebens – Sterbebegleitung

 

Ausgangssituation:
Ich werde von einer Stationsmitarbeiterin meiner virtuellen “Hessen-Klinik” in Absprache mit der Familie zu einem Sterbenden gerufen. Da dies in der Nachtrufbereitschaft passiert, habe ich eine gute halbe Stunde Anfahrtszeit. Unterschiedliche Gedanken gehen mir durch den Kopf. Die nächste Szene ist das Krankenzimmer auf der Intensivstation. Die engsten Angehörigen sind hier versammelt. Die Anzeige auf den Geräten signalisieren, dass es nicht mehr lange dauern wird. Ich bitte die Angehörigen sich im Kreis mit dem Sterbenden zu versammeln.

Ich öffne gleichsam den heiligen Raum mit den Worten, die einer Überschrift oder auch einer Torinschrift in diesem Moment gleichen: „Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Ich schenke nun den Anwesenden eine kleine Bildkarte mit einem Bronzeengel, lasse das Bild einen Moment wirken und lese auf der Innenseite Worte aus dem 91. Psalm vor, lasse Raum für Eigenes, und lade ein gemeinsam das Vater Unser zu beten. Ich schließe mit dem Segen – insbesondere mit dem Hinweis, der mir aus vielen Begegnungen im Kloster Gnadenthal zentral geworden ist, den ich etwas abgewandelt habe: Und wohin wir jetzt auch immer gehen, dort ist schon unser Gott! Gehen wir im Frieden Gottes – und beende mit dem Kreuzzeichen. Stille erfüllt den Raum, nur die medizinischen Geräte sind zu hören.

Als ob der Sterbende genau auf diesen Moment gewartet hat, bewegen sich ab diesem Moment seine Vitalwerte deutlich im Sinkflug. Alle wissen, was das bedeutet. Trotz aller Traurigkeit ist es ein Abschied in Würde, fast schon in einer Gelassenheit. Ein heiliger Moment, so würde ich es nennen, folgt.

Nach und nach verlassen alle den Raum. Die Witwe bittet die Ärtztin nachher noch mal zu ihrem verstorbenen Mann zu gehen, was aber kein Problem ist.

In der neuen Situation wollte sich die Witwe orientieren, daher habe ich ihr Hinweise auf das Thema Bestattung gegeben und sie hat ihren ersten Anruf beim Bestatter gemacht.