P-K-033 – Hochsensibel Interview mit Pfarrer Schlede

 

Hochsensibel – ein Interview mit Pfarrer Friedemann Schlede

Pfarrer Friedemann Schlede, hat lange als Pfarrer in Thüringen gearbeitet.

Jetzt im Ruhestand übernimmt er interimsweise Pfarrämter für die Evangelische Kirche in Deutschland. Aktuell ist er als Klinikpfarrer an der (ehemals deutschen) Hochgebirgsklinik im schweizerischen Davos eingesetzt. Dort gibt es u.a. eine neueingerichtete Station für Psychosomatik.

Ich spreche mit ihm über Hochsensibilität.

  • Wie macht sich Hochsensibilität bemerkbar?
  • Viele der Hochsensiblen spüren um ihre besondere Gabe, aber in der Regel passen sie sich dem Umfeld an und versuchen, sich die hochsensible Wahrnehmung nicht anmerken zu lassen. Dies wiederum kann zu einer Reihe von schwierigen Entwicklungen und Fehlhaltungen führen, entsprechend der Persönlichkeitsstruktur bilden sich unterschiedliche Symptome aus.
  • Die Symptome sind die Sprache des Körpers jene Schwierigkeit auszudrücken. Bisweilen kommt aus der Umwelt die Reaktion: „Nun hab Dich mal nicht so“ – das ist für Schlede eines der Signalwörter.
  • Hochsensible entwickeln bisweilen eine zweite, angepasste Persönlichkeitsstruktur – letztlich um Schmerzen und Ablehnung im Außen zu vermeiden. Im Inneren evoziert das häufig Ängste, die ihn blockieren. Die zweite Haut oder Maskerade setzt ihn unter Druck – und dieses „DU MUSST“ ist das Letzte, was er gebrauchen kann, was ihm gut tut. Oftmals kommt für ihn die Frage auf: Bin ich hier im richtigen Film?
  • Das Gespür der Hochsensiblen ist, so Schlede wichtig in unserer Leistungsgesellschaft. Der Heilungsweg geht über eine Stärkung des Selbst-Bewusst-Werdens und damit letztlich des Selbst-Bewusst-Seins.
  • Über Fragen an die Patienten arbeitet sich Schlede an das Thema Hochsensibilität heran. Für viele seiner Gesprächspartner ist es neu und augenöffnend, mit dem Thema Hochsensibilität selbst in Verbindung gebracht zu werden. Nachdem diese Möglichkeit im Raum steht, bittet der Seelsorger die Patienten nach dem Stichwort „hochsensibel“ im Internet zu recherchieren. Hier gibt es oft Checklisten und Ratschläge zur Selbstdiagnose. Schlede unterscheidet zwischen „Hochsensibel“ – als Wesensmerkmal – und „Übersensibel“, was deutlich eine meist negative Bewertung aus dem Umfeld impliziert.
  • Für viele ist der Hinweis über Hochsensibilität ein Augenöffner, teilweise auch eine Erklärung für eine längere Leidenszeit. Oft schließt sich die Frage an, warum einem das die Medizin nicht schon vorher gesagt habe. Allerdings, gibt Schlede zu bedenken, ist Hochsensibilität erst ein Thema der 2000er Jahre.
  • Der erste Schritt, der dann folgt ist oft „sich selbst verstehen“ und dann sich so anzunehmen wie sie sind und dann ihr Verhalten entlastend einzusetzen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren – Ressourcen, die zuvor aufgewendet worden sind den Vorwurf des „Sensibelchen“ abzuwehren.
  • Bisweilen ist die Hochsensibilität innerhalb der Familie vererbbar. Diese Erkenntnis hilft mit bislang angespannten Situationen besser umzugehen.
  • Hier kann Seelsorge gute Dienste leisten, wie Schlede in einem Beispiel aufzeigt.
  • Seelsorge kommt allerdings an ihre Grenzen, wenn sich schon „zu große Verknotungen“ gebildet haben. Um hier eine Entflechtung zu leisten oder zumindest zu unterstützen, ist es nötig, hier einen Punkt zu setzen und dem Patienten eine Therapie bei einer Psychotherapeutin anzuraten. Bei der Auswahl ist zu beachten, dass die Therapeutin mit dem Thema „Hochsensibilität“ Erfahrung hat.
  • Was hat sich bei Patienten verändert, bei denen vor längerer Zeit Hochsensibilität festgestellt worden ist und die Sie jetzt nach 1-2 Jahren wieder getroffen haben.
  • Oftmals liegt eine intensive Zeit dazwischen. In der Regel wird der Partner mit in die Entwicklung mit einbezogen. Lesen einschlägiger Literatur ist hilfreich und natürlich miteinander Reden. Vereinfacht gesagt, bedarf es einer „Gebrauchsanweisung“ für den hochsensiblen Partner – das erleichtert das Miteinander sehr. Das Ermöglicht das Verständnis füreinander anstatt die (unterschwelligen) Vorwürfe. Viele Betroffene machen eine deutliche allermeist positive Persönlichkeitsentwicklung durch.
  • Was bringen uns Hochsensible als Gesellschaft: Sie haben Sensoren, manche Entwicklungen früher wahrnehmen lassen, oder auch Engpässe durch ihre Sichtweise auflösen könenn.

Herzlichen Dank

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Kontakt:

Pfarrer Friedemann Schlede

Friedemann.Schlede@hgk.ch

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P-K32-IV-Militaerbischof_Sigurd_Rink_3v3

P-K-32 – Interview mit Militärbischof Dr. Sigurd Rink – Teil 3

Wenn Soldaten bei Unfällen oder Einsätzen ums Leben kommen, dann unterstützen, wenn gewünscht, Militärpfarrer. Dies geschieht an mehreren Stellen: a) vor Ort bei der Truppe im Einsatz, einerseits für den Verstorbenen, andererseits in der Begleitung der hinterbleibenden Kammeraden. b) Wenn von Verstorbenen und Familie gewünscht: Der Militärpfarrer begleitet die Hinterbliebenen und organisiert und leitet auch in Kooperation mit den staatlichen Stellen, ggf.in Absprache mit den Medien, die Beerdigung. Hier wirken häufig zwei Militärgeistliche zusammen, der eine leitet die Beerdigung, der andere begleitet die Familie. c) Begleitung am Truppenstandort.
Das ist ein Arbeiten auf der Grenze, in Formen von „riskanten Liturgien“ – ähnlich wie bei großen Ereignissen in Deutschland z.B. auch nach ICE-Unglücken oder Amok-Läufen. Hier kann Kirche eine Beheimatung ermöglichen.
Der MB arbeitet auf der Nahtstelle zwischen Kirche und Staat / Bundeswehr im Besonderen. Gerade aus dieser Perspektive plädiert Rink dafür, dass Kirche zu den Menschen rausgeht, sich nicht zurückzieht, sondern dahin geht wo es weh tut, wo es schmerzt. Hier geht es um etwas!
Militärseelsorge 2040: Das ist Kirche im öffentlichen Raum, da muss Kirche sein – da, wo es Menschen weh tut und sie als der „Eine Andere“ unterstützt.

Herzlichen Dank

English Summary

P-K-32 – Part 3

Soldiers of the German Armed Forces (Bundeswehr) are also loosing their lives during deployments or in accidents. This is a very important field of support for military chaplains. This starts directly on-site where the soldier lost his or her life – and it is the spiritual accompaniment of the surviving dependents. After convicting the defunct person the family gets the offer of pastoral care if wanted. This takes place in cooperation with governmental and employers care. When the place of death is a deployment abroad it often goes along with heavy media coverage. Then military pastoral care comes to the edge and work for the military chaplain gets difficult in forms of “risky liturgies” similar to major incidents like ICE catastrophe or shooting rampage.

The military bishop works as an interface between church and state (Bundeswehr). Looking at it from this perspective Rink pleads that church has to go to where the people are and does not withdraw. Church has to go where it hurts and where it counts!
Military pastoral care 2040: This is church in the public space. There church must take place, must support people where they need it.

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Der Evangelische Militärbischof
Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)
Dr. Sigurd Imanuel Rink
Jebensstraße 3
10623 Berlin
Internet: http://www.militaerseelsorge.bundeswehr.de
Email: heike.stenzel@hesb.de

P-K31-IV-Militaerbischof_Sigurd_Rink_2v3

P-K-31 – Interview mit Militärbischof Dr. Sigurd Rink – Teil 2

„Seelsorge muss dahin gehen – dort sein, wo es schmerzt und weh tut“ und das sind existentielle Krisen. Hier wird Seelsorge gebraucht und gefragt, das ist in der Klinikseelsorge nicht anders.

Für viele Soldaten macht folgende Beschreibung einen guten Militärgeistlichen aus: Es braucht den „Menschen mit dem offenen Ohr, der mich nicht beurteilt, der nicht in der Berichtspflicht steht und mit dem das Gespräch absolut vertraulich ist.“

In Seelsorge und Verkündigung stehen die Militärgeistlichen unter dem Schutz des Militärbischofs. Die im (kirchlichen) Seelsorgegeheimnis liegende besondere Qualität wird auch von Seiten des Verteidigungs-Ministeriums anerkannt, auch wenn es immer wieder zu Konflikten kommt.

Von Seiten der evangelischen Militärseelsorge gibt es PTBS-Trauma-Hilfe sowohl für die Soldaten als auch für deren Familien. Etwa 1.000 Personen werden hier jährlich begleitet. Auch hier gilt: „Wer Hilfe braucht, bekommt sie.“ Näheres erfahren Interessierte über ihren Standortpfarrer. Eröffnet Militärseelsorge Soldaten aus den östlichen Bundesländern eine Tür zu Glaube und Kirche? Der Pfarrer begleitet die Menschen auf Grund ihrer Bedürfnisse, die Frage nach der Kirchenzugehörigkeit ist nachrangig.
Militärseelsorge wird entsprechend der freien Religionsausübung angeboten. Damit ist mittelfristig auch politisch die Frage nach muslimischer Militärseelsorge für die rund 1.500 Soldaten gestellt.

English Summary:
P-K-31

“Pastoral care has to go where it hurts, where the pain is” and these are existential crisis. Here pastoral care is needed – like in pastoral care in clinics. For soldiers the main feature of a military chaplain is: having a sympathetic ear, not judging and treating all conversations confidential.

In pastoral care and propagation all military chaplains act under legitimate protection of the military bishop and the ordained ministry and are not subordinated to the hierarchical structure of the Ministry of Defence. The quality of military pastoral care comes from the absolute pastoral secrecy although that causes conflicts frequently.

The protestant military pastoral care offers a posttraumatic stress disorder aid. They give spiritual counsel to more than 1.000 persons a year. It counts: “Someone who needs help will get it!” Interested parties get further information from their garrison chaplain.

Does military pastoral care open a door to faith and church for former East-Germans? The chaplain is taking care for all people who desire it. The membership in the church is secondary. Military pastoral care is being offered independently from religious observance. The question to offer it also for Muslims is present.

(C) Stefanhund.com

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Der Evangelische Militärbischof
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Dr. Sigurd Imanuel Rink
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P-K-30-IV-Militaerbischof_Sigurd_Rink_1v3

P-K-30- Interview mit Militärbischof Dr. Sigurd Rink Teil1v3

Dr. Rink (*1960) ist seit 2014 der Bischof für die Seelsorge bei Soldatinnen und Soldaten. Sein Amtssitz ist Berlin. Er besucht regelmäßig Soldaten an allen über 100 Standorten weltweit.
Seelsorge bei der Bundeswehr gibt es seit Beginn an. Militärgeistliche (m/w) sind einerseits als Pfarrer ordiniert und haben somit Schweigepflicht zu allem, was sie von Soldaten (m/w) in der Seelsorge erfahren. Andererseits sind sie Bundesbeamte im Blick auf die Geheimhaltungspflicht im militärischen Sinne.
Der Geistliche bei der Bundeswehr hat Zugang zu allen Hierarchieebenen und entsprechende Vortragserlaubnis. Er hat bewusst keinen eigenen militärischen Rang. Dahinter steht die Idee: Es ist immer ein Gespräch auf Augenhöhe – er „hat“ also immer im Rang seines jeweiligen Gesprächspartners. Dem Gefreiten ein Gefreiter, dem General ein General…
Viele Tätigkeiten sind ähnlich wie im Gemeindepfarramt, Taufen, Trauen, Bestattungen und Schule (Lebenskundlicher Unterricht). Der eindeutige Schwerpunkt ist jedoch die Seelsorge.
Ein Themenbereich ist das Alltägliche. Aber, besonders bei Auslandseinsätzen, angesichts von Verletzung und Tod stellen sich Soldaten die Frage nach der Sinnhaftigkeit ihres Tuns. Was trägt in diesen Situationen mein Leben. „Not lehrt Beten“ ist dabei eine menschliche Erfahrung. Hier ist es gut, dass es die Seelsorge für die Soldatinnen und Soldaten gibt.

English:
P-K-30 Interview (engl.)

Since 2014 Dr. Sigurd Rink is the military bishop and responsible for the pastoral care of all soldiers in the German Armed Forces (Bundeswehr). He is visiting the troops in more than 100 garrisons all over the world.

Pastoral care is been established in the German Armed Forces since their formation. Military chaplains (m/f) on one side are ordained as pastors and on the other hand they are federal civil servants committed to the government, especially in terms of loyalty and obligation to confidentiality.

The chaplain of the German Armed Forces has direct access to all hierarchical levels and has also the right to recitation. Consciously he is not holding a military rank, which is generally interpreted as being at eye level with all his conversational partners.

Many of his activities are similar to the civil parish office like baptizing, wedding, funerals or religious education at schools. But the focus is on pastoral care on-site in garrisons and during deployments abroad. There, when soldiers are directly confronted with injury and death they ask themselves the question of meaning regarding their duty and what really matters in life. “Distress teaches praying” qualifies as for everybody regardless of an ecclesial socialization. Here it is a gain offering pastoral care for soldiers.

(C) Stefanhund.com

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P-K-029 – Schuld sind immer die anderen

P-K-29 Schuld sind immer die anderen…

Schuld sind immer die anderen … und manchmal werden Patienten gegenüber Mitarbeitern schwierig, weil auch für sie die ungewohnte Situation schwierig ist … Klinikseelsorge kann hier unterstützen, damit es der Seele gutgeht.

P-K-028 -Neues aus der Klinikseelsorge-trifft-Dr-E-v-Hirschhausen

P-K-28-Neues aus der Klinikseelsorge trifft Dr. Eckart von Hirschhausen

Humor und Klinikseelsorge sind im Krankenhaus wichtige Faktoren im Blick auf die Begleitung der Patienten.

Mit dem Jahreswechsel 2017 auf 2018 geht das Projekt „Neues aus der Klinikseelsorge“ als Studienprojekt zu Ende. Aber keine Sorge –      der Podcast geht im 2-wöchigen Turnus weiter.

Dr. Eckart von Hirschhausen ist für mich der Meister des Humors im Blick auf Gesundheit. Und so habe ich ihn um ein Interview gebeten. Ich erhielt von ihm eine freundliche Unterstützungsmail und das Angebot frei aus seinen CD-Veröffentlichungen ein fiktives Interview zusammenzustellen, welches ich ihm nach Veröffentlichung zusende. Herzlichen Dank – auch gerade für dieses Vertrauen!

Eines seiner großartigen Projekte ist die Stiftung „Humor hilft Heilen“. Vor 10 Jahren starteten hier die Clowndoktoren für Kinder. Heute erreichen er und seine zahlreichen Mitstreiter damit Kranke jeglichen Alters und macht etwas, was „Deiner Seele GUTtut“.

Themen in diesem fiktiven Interview, was ich sehr gerne live mit Dr. v. Hirschhausen geführt hätte – vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung ? sind:

1. Humor hilft heilen – wie auch die Klinikseelsorge – machen den Patienten spezifische Angebote – die Auswahl trifft der Patient.
2. Manchmal ist es genau das Überraschungsmoment, welches bei Patienten eine Verbesserung ihrer Situation auslöst
3. Wir sehen die Welt nicht so wie sie ist – sondern wie wir sind. Und hier können wir etwas tun…
4. Wunder kann sowohl der Pfarrer als auch der Mediziner erleben.
5. Heilung kommt nicht nur aus den Operationen und den verabreichten Medikamenten, sondern auch aus Nähe, Zeit haben, Wohlwollen und auch aus Glaube, Hoffnung und Liebe – inklusive Gebet und Segen.

Mehr Informationen über Dr. Eckart von Hirschhausen finden Sie, in allen seinen Veröffentlichungen, oder auf seinem Internetportal.

Die Stiftung findet sich unter www.humorhilftheilen.de, hier haben Sie auch eine Spendenmöglichkeit.

„Neues aus der Klinikseelsorge“ wünscht Ihnen und Ihren Lieben ein gesundes und gesegnetes 2018

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Stefan Hund
© Stefanhund.com 2018

P-K-027 – Weihnachtsgeschenk

P-K-027 – Weihnachtsgeschenk angesichts eines Herzinfarktes

Ein Unternehmer der alten Schule, der sein Unternehmen eher stakkato leitet, bricht in den letzten Weihnachtsvorbereitungen mit einem Infarkt zusammen und wacht erst wieder in der Klinik auf.

Dabei wird ihm gewahr, dass er zwar seine Firmengeschenke an die Sekretärin delegieren, aber das teure Geschenk für seine Frau vom Juwelier nicht selbst abholen konnte. Auch der Klinikseelsorger wird es für ihn nicht holen können, da zu spät. Die Geschäfte werden erst nach Weihnachten wieder offen haben.

Durch eine wundersame Veränderung wird er seiner Frau ein Geschenk machen, was sie hoch erfreut – was für ihn aber auch lange nicht mehr möglich war. Zeit.

P-K-026 – Wie sorge ich für mich als Klinikseelsorger?

P-K-026 Wie sorge ich für mich als Klinikseelsorger?

Damit ich den Patienten und den Angehörigen, denen ich begegne, gut tun kann – muss ich für mich selbst gut sorgen.

025-Advent in der virtuellen Hessen-Klinik

025-Advent in der virtuellen Hessen-Klinik

Ich freue mich erst einmal über mein Silbernes Podcast-Jubiläum – Heute ist die 25. Folge und ich bin sehr erfreut und überrascht zugleich, dass meine Episoden seit dem Start vor rund 9 Wochen 1.500 mal herunter geladen worden sind. Herzlichen Dank für Ihre Zeit und ihr Zuhören.

In zwei Wochen ist Heilig Abend. In meiner virtuellen Hessen-Klinik wird Weihnachten immer mehr spürbar. Nicht nur von der Optik, ein schöner großer Adventkranz mit Kerzen oben auf. Auch die Stimmung im Haus verändert sich. In der Adventszeit wird die Kapelle der Klinik vermehrt genutzt und auch Fürbitten in das ausliegende Gebetbuch eingetragen. Die Schreiber der unterschiedlichen Zeilen kommen aus unterschiedlichen Ländern und Sprachen. Jeweils am Sonntag nehme ich die Gebete mit in die Fürbitte des Gottesdienstes.

In der Adventszeit ist mein Schwerpunkt Besuche und das Überreichen eigener, teilweise auch individuell ergänzter Weihnachtskarten. Vorne mit einer brennenden Kerze drauf und dazu die hoffnungsvolle Verheißung aus dem Johannes-Evangelium 1,5: Das Licht scheint in der Finsternis – und die Finsternis hat es nicht ergriffen.“

Ich erzähle anschließend in den übrigen der 15 Minuten von zwei Begegnungen mit Patientinnen.

  1. Während alle um sie herum auf ihren Arztbrief warten, damit sie nach Hause können, möchte eine Patientin möglichst über Weihnachten in meiner virtuellen Klinik bleiben. Was sind ihre Beweggründe? Auch wenn ich ihr bei ihrem Problem nicht helfen konnte, am Ende des Gespräches bedankt sich die Dame für mein langes und intensives Zuhören, für das gemeinsame Gebet. Das war für sie ein Geschenk, welches sie schon lange nicht mehr hatte.
  2. Eine junge Frau, deren Freund mit am Krankenbett saß, erzählte von ihrer Brust-OP. Im Verlauf des Gespräches stellt sich heraus, dass ich sie vor vielen Jahren getauft habe, und sie auch mich auch noch im Kindergarten erinnert. Sie erzählt von ihren Hoffnungen und Ängsten angesichts einer solchen OP. Gegen Ende des Gespräches möchte sie gesegnet werden für den Weg, der jetzt vor ihr liegt. In einem zweiten Schritt bezieht sie ihren Freund bewusst in den Segen mit ein, wünscht sie sich doch sehr, dass er sie in dieser nun schwierigen Zeit begleiten kann und wird.

Um gerade auch in hektischen Zeiten die Ruhe und Kraft zu haben, gehe ich seit vielen Jahren für mich selbst und gut begleitet zu Schweigetagen u.a. ins Kloster. Seit fast 14 Jahren biete ich solche Einkehrtage für Unternehmer und Führungskräfte auf www.stillezeit.de an. Die nächsten offen ausgeschriebenen werden im Mai, Juli und November sein.   Darüber hinaus gibt es das Angebot auch für geschlossene Gruppen.

 

Mein Weihnachtsgeschenk an Sie, liebe Hörerinnen und Hörer:

Bis Weihnachten 2017  und für 2018 in jeder ersten Woche des jeweiligen Monats nehme ich mir jede Woche zwei Stunden Gebetszeit für Ihre persönlichen Anliegen. Wenn ich für Sie beten soll, senden Sie mir eine Nachricht über podcast-Klinikseelsorge@stefanhund.com oder schreiben mir eine Nachricht auf facebook auf der Seite podcast-Klinikseelsorge

 

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit 2017

Ihr

Stefan Hund

024 – Empathie überwindet alle Grenzen

024– Interview mit Marlis Lamers, Gefühlsdolmetscherin

“Wenn die Worte fehlen -Empathie überwindet alle Grenzen”

Marlis Lamers, Gefühls-Dolmetscherin und Expertin für Mikromimik, Trainerin für Emotionserkennung und Emotionale Intelligenz.
Hierbei ist ein Schwerpunkt die Mimik von Schwerkranken und Sterbenden zu erkennen und zu lesen.

„Unsere Mimik ist die Ausdrucksweise, die zuletzt stirbt“. 44 Muskeln im Gesicht können über 10.000 verschiedene Gefühle ausdrücken.

Ein eindeutiges Zeichen für Trauer ist beispielsweise beide innere Augenbrauen gleichzeitig hochzuziehen – und das funktioniert gerade in dem Moment, wo Sprache mit Worten nicht mehr möglich ist…

Dabei ist wichtig zu bedenken, dass diese Mimik unwillentlich gesteuert ist. Mimik ist immer auch im Gesamtzusammenhang zu lesen – wozu auch die lange Kenntnis / Beziehung mit dem Todkranken gehört. Sie wird immer wichtiger, je mehr eine Begegnung „emotionale Ladung” hat – also mehr als small-Talk über Belangslosigkeiten.

Es gibt klare Signale, ob der Patient noch in einer Trauer oder vielleicht in einer Wutphase ist. Oder bei angebotenen Speisen: ist es eine Schmerz oder Ekel-Expression…

Marlis Lamers erklärt, dass das einseitige Einpressen eines Mundwinkels ein klares Zeichen für Verachtung ist. Wenn dieses Signal aufgenommen wird, ist es die Frage an den gesunden Gesprächspartner, wie er nun wertschätzend mit dem Patienten umgeht, welche Frage-Angebote er ihm in diesem Moment machen kann, um herauszufinden, warum er diese Expression in diesem Moment zeigt.

Letztlich ist es auf diese Art und Weise auch möglich, mit einem Patienten/Angehörigen zu kommunizieren – ja sich gemeinsam unterhalten, wenn Worte nicht mehr möglich sind.

Viele, die intensiv mit Menschen im sozialen Bereich arbeiten oder hier auch einen Menschen intensiv begleiten, haben ein Bauchgefühl, wie es dem Anderen geht – mit der Mimik-Spracherkennung kann dieses Bauchgefühl verifiziert werden.

Marlis Lamers könnte hier in besonderen Fällen als Übersetzerin dazugeholt werden. Sie gibt aktuell ihr Wissen vornehmlich mit Inhouse-Schulungen in Krankenhäusern, Altenheimen und Hospizen in ganz Deutschland weiter. Dazu arbeitet sie auch in verschiedenen Fachausbildungen mit, nicht nur im palliativen Bereich, sondern gibt ihr Wissen auch beispielsweise bei den Forensikern (Was könnten Opfer über die Täter oder die Tat noch äußern) weiter.

Diese Mimik-Expressionen haben eine Dauer von 40-500 Millisekunden… ein kurzes Zucken. Mit dem geschulten Blick wird man immer mehr wahrnehmen. Viele üben bereits beim Fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln. Wichtig ist ihr erst einmal, dass man überhaupt etwas wahr nimmt. Hier kommt für Marlis Lamers „Verstehen vor Verstanden werden“

Nun folgt ein (fiktives) Beispiel aus dem Privaten Bereich: Die Großmutter im Pflegeheim wird besucht… – wie kann sich hier ein Gespräch entwickeln….
Im Blick auf Ärzte und Pflegemitarbeiter: Hier kann die Kenntnis über die Mimik-Sprache ein schnelleres Verständnis und ein miteinander kommunizieren aufgebaut werden. Das ist eine lohnende Investition – bei allem Zeitdruck in diesem Bereich. Denn sie hilft zu besseren Kommunikation und vermeidet die Falschinterpretation von Gefühlen. Und so kommt es leichter zu einem Miteinander als zu einem Gegeneinander, was unnötig Ressourcen und Lebensqualität kostet. Die Bedrfnisse des Patienten können so gesehen und gehört werden. Nicht ist schlimmer als ungesehen, ungehört und somit gleichsam als Person übersehen zu werden – das gilt sowohl für den Patienten als auch für sämtliches Personal.

Das gilt genauso für das Ansprechen und Erfüllen spiritueller Bedürfnisse – im Blick auf die Klinikseelsorge. Hier ist auf einmal sehr viel mehr möglich…
Die mimischen Bewegungen im Gesicht sind kulturübergreifend gleich. Wichtig ist nicht, die Emotionale Mimik sofort richtig zu interpretieren – viel wichtiger ist, dass der Seelsorger oder eben das Gegenüber allgemein – die Emotion überhaupt wahrnimmt und anspricht.

Hilfe für die richtige Interpretation ist auch die Mimikexpression nachzumachen, um sie zu richtig verstehen. Dabei wirkt häufig das Äußere nachmachen ein entsprechendes inneres Gefühl. (SH: deshalb haben viele auch eine bessere Stimmung, wenn sie eine Minute lautlos vor sich hinlächeln…) – Das gilt genauso auch anders herum: „Denke mal an eine saure Zitrone in deinem Mund“ und allermeist ziehen sich dann auch schon die Geschmacksnerven zusammen.

Marlis Lamers empfiehlt zum Üben nicht nur öffentliche Verkehrsmittel, sondern auch Fernsehen ohne Ton … – immer bedenkend, dass 93% aller Kommunikation NON-VERBAL ist.

Herzlichen Dank
An Marlis Lamers

 

                   

Wer mehr wissen möchte:

https://www.youtube.com/channel/UCGwz2PSJWuNJ3CGyJwhI2qA https://www.youtube.com/channel/UC_0aqyd92PcaYiHHVNmxP1g?view_as=subscriber

Marlis Lamers, Kommunikation Wortlos
youtube.com

Meine Webseite: www.kommunikation-wortlos.de

Dazu: Buchempfehlung folgt auf podcast-Klinikseelsorge.de in Kürze

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